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Spielwarenmesse 2015 – 28. Januar - 2. Februar 2015

Vom 28. bis 30. Januar berichte ich live von der Spielwarenmesse aus Nürnberg. 

Neben Plüschtieren, Holzspielzeug, klassischen Gesellschaftsspielen ist ein Publikumsmagnet die Halle 7. Dort zeigen die großen Copter-Hersteller, was in den nächsten Wochen und Monaten auf den Markt kommt. Vertreten sind unter anderem DJI, Yuneec, Walkera und Thunder Tiger. Dazu natürlich eine Menge Zubehör-Anbieter wie Hacker und Graupner. 

 

 

 

DJI 

Der größte Copter-Hersteller präsentiert auf der Spielwarenmesse keine Neuheiten. Kein Wunder, denn bereits Ende vergangenen Jahres wurde der Inspire 1 mit großem "Auftritt" präsentiert. Nach einigen Startproblemen ist der neue Quadrocopter nun endlich flugbereit und findet auf der Messe viele Zuschauer. Der Inspire 1 wird dort regelmäßig in einem kleinen "Käfig" geflogen. 

Außerdem gibt es auf dem DJI-Stand den Phantom 2 Vision + (plus), die Phantom mit dem Zenmuse-Gimbal für die GoPro 4 Black, den S1000 und S900 sowie den Handgimbal Ronin zu sehen. Was ich nicht entdeckt habe – was aber auf der CES in Las Vegas gezeigt wurde – ist der kleine Handgriff für den 3D-Gimbal des Inspire 1. Noch mal nachgefragt: Nicht am Messestand – schade, denn den hätte ich gerne mal ausprobiert und vorgestellt. Ab April soll der Handgimbal zu kaufen sein. Was den Preis anbelangt bekam ich keine konkreten Antworten. Ich schätze allerdings, dass er bei 499 Euro liegen dürfte. 

Was übrigens die Frage nach der iOS-App für den Inspire 1 anbelangt, bekomme ich die übliche Antwort: Man arbeitet mit Hochdruck daran, die App in den Store zu bekommen.  

Yuneec

Mit dem Q500 ist Yuneec der erste Coup in der Copter-Szene gelungen. Der Quadrocopter hat in den vergangenen Wochen einen sensationellen Start auf dem deutschen Markt hingelegt. Viele Piloten feiern den Neuling und sind begeistert. Nach dem "Kleinen" will Yuneec nun mit einem großen Modell nachlegen: Dem H920. 

Der H920 ist ein Hexacopter mit einklappbaren Armen und Einziehfahrgestell. Als Kamera kommte eine GH4 von Panasonic zum Einsatz, die an einem 3-Achs-Gimbal hängt. Direkt am Gimbal ist das FPV-System installiert. Mit dabei die große Fernsteuerung ST24 mit integriertem Monitor für das FPV-Bild. An der gibt es den sehnlich erwarteten HDMI-Ausgang, an den sich ein weiterer Monitor anschließen lässt oder eine Video-Brille, wie etwas die Cinemizer von Zeiss. Der Gimbal ist eine Eigenkonstruktion und somit perfekt auf den H920 abgestimmt.

All das ist zwar schön, aber noch nicht besonders, denn das bieten andere Hersteller ähnlich. Der wirkliche Kracher des H920: Mit Gimbal, GH4 und Akkus – also voll ausgestattet – wird der Yuneec unter fünf Kilogramm wiegen. Ja richtig: Unter FÜNF Kilogramm. Damit wäre der H920 dann der erste (quasi) RTF-Hexacaopter in dieser Gewichtsklasse. Werden alle Spezifikationen so auch in der finalen Version umgesetzt könnte das erheblich Bewegung in den Markt bringen. Denn bislang gab es für die GH4 nur Copter mit einem Abfluggewicht über fünf Kilogramm oder man musste auf Eigenbauten zurückgreifen. 

Die ersten H920 werden in Deutschland im März für den Verkauf erwartet. Der Preis wird 4699 Euro betragen, inklusive ST24 und zwei Akkus. Was natürlich noch dazu kommt ist die Panasonic GH4 und das Olympus-Objektiv. 

Neben dem Standard H920 wird es noch eine weitere Variante dieses Hexa-Copters geben. Diese ist dann mit einer eigenen Kamera ausgestattet, die ein 18fach optisches Zoom hat. Gefilmt wird dann allerdings nur in Full-HD mit 1920 x 1080 Bildpunkten. Diese Variante des H920 soll vor allem für Kontrollflüge und zur Überwachung eingesetzt werden. Er wird mit zwei ST24 ausgeliefert: Eine für den Piloten, eine für den Video-Operator. Wie auch die Standard-Version des H920 wird das Abfluggewicht komplett unter fünf Kilogramm betragen. Die genauen Spezifikationen zur Brennweite der Kamera folgen noch. Auch diese Variante des H920 wird ab März erhältich sein, wird aber mit 7999 Euro deutlich teurer sein.

Nicht nur in der "großen" Klasse gab es Neuheiten, sondern auch in der Q500-Klasse. Ab Mai wird es für diesen Copter eine 4k-Kamera geben. Die kann zwar an den bestehenden Q500 angebaut werden im Tausch mit der bisherigen Full-HD-Kamera, wird dann aber eine Feinjustage erfordern. Der Grund: Die 4k-Kamera samt Gimbal ist etwas schwerer als das gegenwärtige Modell. Für die Motoren des Q500 kein Problem, allerdings ist der Copter beim Einsatz der 4k-Kamera nicht mehr perfekt ausbalanciert. Das würde dazu führen, dass die vorderen Motoren dauerhaft mehr leisten müssten, was zu einem erhöhten Verschleiss führen würde. Um das zu umgehen, sollten am Heck des Q500 – bevorzugt an den Kufen – Ausgleichsgewichte montiert werden. Ich denke, sobald die Kamera erhältlich ist, wird es nur ein paar Tage dauern, bis entsprchende DIY-Lösungen im Internet und den Facebook-Gruppen zu finden sind.

Wer den Umbau nicht machen möchte, kann auch zu dem neuen Modell Q500 Black greifen, das dann mit der 4k-Kamera ausgestattet ist. Zusätzlich gibt es dann die etwas verbesserte ST10+ Fernsteuerung. Wichtigstes Merkmal ist dabei der etwas größere Monitor.

Die 4k-Kamera wird mit Handgriff für 699 Euro erhältlich sein, der Q500 Black wird 1499 Euro kosten. Beide Produkte werden im Mai in den Handel kommen.

Neben der 4k-Kamera wird es auch einen Gimbal für die GoPro 3/4 geben. Allerdings muss dabei angemerkt werden, dass es kein eingebautes FPV-System dazu gibt. Die Reichweite des GoPro-WLAN ist zu gering, um das an einem Copter zu nutzen. Wer also das Bild der GoPro am Boden sehen möchte muss ein FPV-System nachrüsten und in den Q500 einbauen. Für versierte Bastler dürfte das interessant sein, für die übrigen Piloten eher nicht. Denn es muss eine ganze Menge dabei berücksichtigt werden. Ob das letztendlich den Aufwand wert ist, finde ich fraglich. Interessant hingegen könnte der Gimbal in Verbindung mit dem Handgriff sein. Denn über die WLAN-Funktion der GoPro ließe sich das Bild der Kamera auf ein Handy, das auf dem Handgriff sitzt übertragen. Hier ist die Reichweite des GoPro-WLAN ausreichend und man bekäme so einen praktischen Handgimbal für seine GoPro. Die Kamerasteuerung würde dann ebenfalls über die GoPro-App vom Handy aus erfolgen.

Insgesamt präsentiert sich Yuneec auf der Spielwarenmesse sehr professionell und innovativ. Zu Zeit sehe ich den Hersteller als einzig ernstzunehmende Konkurrenz zu DJI. Hier spielt vor allem die größere Kundenähe und ein bislang hervorragender Service eine wesentliche Rolle. Ich hoffe, dass sowohl die Qualität, als auch die Entwicklung der Produkte so weiter geht. Denn nichts ist langweiliger als ein Platzhirsch, der sich auf seinen Lorbeeren ausruhen kann.

Thunder Tiger

Auf dem Stand von Thunder Tiger ist natürlich der Ghost+ das wichtigste Produkt. Während sich der Copter zur Zeit noch etwas schwer tut gegen DJI und Yuneec, könnte sich das bald ändern. Denn ab März wird es zu dem Ghost+ einen Gimbal geben, mit dem eine Sony RX100 M2 unter den Quadrocopter gepackt werden kann. Genau das ist ein Feature, auf das viele Fotografen und Copter-Piloten schon länger warten. Denn mit der RX100 M2 würde eine hervorragende Kompaktkamera zum Einsatz kommen. Auf der Spielwarenmesse konnte ich einen Prototypen begutachten, der bereits einen guten Eindruck hinterließ. Offen bleibt allerdings die Frage nach dem FPV-System und der Ansteuerung der Kamera. Thunder Tiger bietet ein FPV-System für den Ghost+ an, inwieweit sich das auf die RX100 M2 adaptieren lässt, wird sich dann noch zeigen. Hinsichtlich der Kamera-Ansteuerung wird man wohl auf individuelle Lösungen setzen müssen. Hier ist es dann vor allem eine Frage des Flight-Controllers und der Fernsteuerung, wieviele Kanäle für die Gimbal-Steuerung und die Kamera "abgezweigt" werden können. 

Sollte es Thunder Tiger schaffen, hier ein gutes Paket abzuliefern, würde der Ghost+ damit zu einem überaus interessanten Copter. Zumal der Preis mit zur Zeit geplanten 1249 Euro inklusive RX100-Gimba auf einem durchaus guten Niveau liegt. Rechnet man dazu noch ein FPV-Systm mit rund 250 Eruo, bekommt man für rund 1500 Euro ein interessantes Gesamtpaket. Was dabei natürlich noch fehlt ist die Sony RX100 M2. Erhältlich soll der Gimbal ab März sein. Einzeln gekauft liegt er vermutlich 150 Euro über dem Preis des Morpheus GoPro-Gimbals von Thunder Tiger. Der kostet einzeln zur Zeit 289 Euro.  

Einen Punkt konnte ich auf der Messe noch klären: Wann die iOS-App für den Ghost+ erscheint. Die soll nach bisherigem Stand Ende Februar im Apple-App-Store erhältlich sein. Über die App wird die gesamte Einstellung des Ghost+ vorgenommen – inklusive der Kompass-Kalibrierung. Sprich: Ohne Smartphone sind keine Flüge möglich.

Robbe, Walkera & Co.

Neben den großen Herstellern tummelten sich noch einige kleine Anbieter auf der Messe. So zeigt Walkera sein Programm inklusive des Tali H500 und dem QR X900. Die Copter sind zur Zeit bei keinem deutschen Vertriebspartner erhältlich, sondern nur direkt über Walkera zu beziehen.

Robbe zeigt den Align 480 mit Gimbal für die Panasonic GH4. Ein schöner Copter, allerdings bringt er inklusive Gimbal, Kamera und Akkus deutlich mehr als sechs Kilogramm auf die Waage. Damit dürfte er sich als Quadro-Copter auf dem deutschen Markt recht schwer tun. Denn wenn schon über der magischen 5-Kilogramm-Grenze, dann doch bitte gleich ein Octo-Copter, der deutlich mehr Sicherheit bringt, als ein Quadro-Copter.

Fazit

Im Copter-Markt ist mächtig Bewegung – gut so! Der Platzhirsch DJI bekommt von verschiedenen Seiten Konkurrenz, ausruhen ist also nicht. Gleichtzeitig drängen viele chinesische Anbieter auf den Markt mit Billigprodukten. Hier habe ich Sorge, dass die Zahl der verantwortungslosen "Flieger" in den nächsten Monaten weiter steigen wird und uns somit über kurz oder lang Gesetzesänderungen ins Haus stehen. 

Wir stehen am Anfang einer sehr spannenden Zeit mit vielfätigen Möglichkeiten, die erst nach und nach ihren festen Platz beim Verbraucher und in der Industrie bekommen werden. Ich jedenfalls freue mich auf ein spannendes Jahr mit vielen neuen Aspekten und Produkten rund um das Thema Copter.